Hilfe – es ist doch viel zu kalt…

… sagen viele Gäste schon ab minus 5 Grad.
Und um ehrlich zu sein, auch ich finde minus 5 Grad um einiges zu kalt – denn es ist nasskalt. Ab ca. 15 minus wird es eine angenehm, trockene Kälte, die bis 30 minus auch weiterhin recht angenehm ist.
Alles was darunter ist – ist einfach nur kalt. Ab 40 minus ist es einfach nur noch SAUkalt (entschuldigt den Ausdruck)

Viele Gäste glauben, dass wir Guides nicht frieren – glaubt uns, wir tun es auch, nur erst ab etwas kälteren Temperaturen – was unter anderem auch daran liegen könnte, dass unsere Nervenenden nach jahrelangem arbeiten in der Kälte eh nicht mehr das sind, was sie mal waren  😉

Aber mal Spass beiseite. Ich persönlich favorisiere ja die Kälte, denn ist es zu warm hat man irgendwann nichts mehr, was man noch ausziehen kann, während man, wenn einem zu kalt ist, immer mehr anziehen kann.

Ich habe schon alles gesehen – glaubt mir. Gäste, die in Nylonsocken kommen – das kann schlicht und einfach nicht warm geben. Gäste die die Klamotten von uns ablehnen, weil sie selber ihre „Skiklamotten“ dabei haben – und dann auf Tour frieren.
Zwingen können wir niemanden unsere Polarklamotten zu benutzen.

Die Gäste hier werden gut eingekleidet.
Gute Winterschuhe (bis minus 40 grad)
Skihosen und Parka von Bergans of Norway
Skimaske, Fellmütze und überhandschuhe ebenfalls von Bergans of Norway
Für die Hüttenübernachtungen im weiteren einen Innenschlaf (die aussenschlafsäcke lassen wir schon auf den Hütten), eine grosse Strinlampe und eine kleine.

Ich denke es kann niemand meckern bei dem, was er hier geboten bekommt. Dazu kann man an der Rezeption Wärmepads kaufen, was ich jedem, der kälteanfällig ist, empfehlen würde.
Es sind diese, die an der frischen Luft und durch schütteln warm werden und bis zu 6 Stunden warm bleiben.
Selbst ich habe immer ein Pack davon einstecken, da, wenn mal wieder ein Karabiner eingefrohren ist, den ich per blanken Hand wärmen muss, froh bin, in einen warmen Handschuh zu kommen.
An den Füssen brauche ich es persönlich nicht, weiss aber, dass die meisten Gäste welche an die Füsse tun – aber okay, als Guide laufe ich noch mehr als die Gäste 😉

Um euch ein Beispiel zu geben wie ich auf dem Schlitten stehe bei Durchschnittstemperaturen 10-30minus

Füsse:
Ich habe ein dünneres paar Armeewollsocken die bis zu den Knien hochgehen auf meiner Haut.
Darüber jeweils eine Plastiktüte zur zusätzlichen Isulation vor Feuchtigkeit.
Als oberste Schicht nochmal ein paar dicke Wollsocken 2 Nummern grösser als meine eigentliche Grösse, damit es nicht zu eng wird.
Als Schuhe benutze ich seit 4 Jahren Baffin Polar Schuhe, sage und schreibe 5 Nummern grösser als meine eigentliche Grösse, damit genug Luft an meinen Füssen zirkulieren kann und ich nicht kalt bekomme.

Beine:
Eine lange Fliessunterhose (diverse Marken), darüber eine Art Skihose von Bergans of Norway

Oberkörper:
Ein langes Thermounterhemd als Grundlage.
Darüber einen Fliesspullover.
Und dann entsprechend meiner Laune und was das Wetter so sagt entweder noch eine Fliessjacke und eine Daunen-Windproof Jacke ebenfalls von Bergans of Norway … oder… einen Parker von Bergans of Norway, ebenfalls Daunenjacke.

Hände:
Um mit den Hunden zu arbeiten, habe ich immer Fingerhandschuhe mit Thinsulate an, mit denen ich meistens auch anfange Schlitten zu fahren.
Unterwegs kann es aber, entsprechend der Kälte, oder, ob meine Handschuhe nass werden, sein, dass ich zu Fäustlingen wechsel.

Kopf:
Skimaske
1-2 Buffs (ich kaue gerne drauf rum, deswegen gefrieren die immer und ich muss 1-2x am Tag die obere und untere schicht wechseln… uuups)
Mütze (entsprechend meiner Laune habe ich 5 verschiedene Mützen, von Wellmützen über Merinowolle bis hin zu Fridolin… siehe ende des Beitrags)

Unter minus 30 ist der einzige Unterschied, dass ich zwischen Thermo und erster Fliessschicht noch ein T-Shirt anziehe, manchmal noch eine zweite lange Unterhose und ein drittes Paar Socken dabei habe für den Fall der Fälle.
Mein Beispiel soll nicht für alle Menschen gelten, da jeder unterschiedlich Kälteanfällig ist.
Für die Sicherheit gilt: Lieber eine Schicht zu viel als zu wenig!!!

Dazu sollte man versuchen sich immer in Bewegung zu halten. Nicht so viel, dass man schwitzt, sondern eher ruhige Bewegungen.
Leider neigen viele dazu sich total zu verkrampfen und sich gar nicht mehr zu bewegen – was das schlechteste ist, was man machen kann.

Trotz allem sieht man ziemlich lustig aus, wenn es kalt ist, und lachen gibt ja bekanntlich auch warm.
Männer bekommen graue Bärte, jeder bekommt graue Haare und eine kostenlose extra weisse Wimperntusche 🙂

überzeugt euch selber.
Ich, mit meiner „Spassmütze“ Fridolin bei minus 24 grad.

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Schnee oder kein Schnee – das ist hier die Frage

Dies ist ja nun mein viertes Jahr als Schlittenhundeguide und ich muss sagen – kein Jahr war wie das andere. Vor allem von Schnee- und Kälteverhältnissen her.

In meiner ersten Saison in Finnland hatten wir im September schon Temperaturen um die -15 grad und konnten im Herbsttraining sogar mit den Quads über die Sümpfe fahren ohne fest zu stecken.
Der erste Schnee kam mitte Oktober und Ende Oktober standen wir schon auf den Schlitten.
Bis Ende Aprik konnte man Schlitten fahren – jedoch nicht viel länger, da es warm wurde.

In meiner zweiten Saison in Finnland war es nicht sehr früh kalt, dafür kam der Schnee früher als im Jahr zuvor und wir konnten sehr früh auf die Schlitten wechseln.
Allerdings gab es schon Ende März einen totalen Wärmeeinbruch und wir sind die letzte Wochentour über Wurzeln, Steine und Gras gerutscht…. schrecklich

In meiner dritten Saison in Finnland wurde es weder kalz, noch kam Schnee.
Als in der letzten Novemberwoche die ersten Gäste kamen lag nur ca. 3cm Schnee.
Die, gott sei Dank sehr Verständnissvollen Gäste, fuhren einen Tag mit auf den Quads, machten eine Huskywanderung und fuhren letztendlich doch nocn ca 20km Schlitten im Tandemschlitten mit jeweils einem Guide.
Dafür gab es Ende der Saison eine Überraschung … diese hätte nämlich noch länger sein können da die Trails noch super waren und noch massig Schnee lag.

Jetzt in meiner vierten Saison, allerdings die erste in Schweden, hatten wir sehr lange sommerliche Temperaturen. Alles andere als gut.
Dafür haben wir seit zwei Wochen Schnee.
Besser wäre es gewesen wenn es erst kalt geworden wäre, damit Seen und Flüsse hätten richtig zufrieren können.
Auch jetzt sind die Temperaturen noch gar nicht winterlich mit um die Null grad. 😦
Letztes Wochenende regnete es sogar und für diesen Sonntag sind schon wieder plusgrade angesagt.
Natürlich hoffen wir, dass sich der Winter jetzt endlich blicken lässt, denn nächste Woche ist Saisonbegin…