Ankunft und das erste Beschnuppern der Insel

Ich habe lange überlegt in wie viele Teile ich meinen La Réunion Bericht gliedere. Ich glaube ich muss von Tag zu Tag schauen wie ich es am schlausten anstelle.
Hier bekommt ihr aber erstmal die Anreise, die ersten Eindrücke und den Probewandertag.
Als Information für euch: Ich war mit Wikinger-Reisen unterwegs, meine erste so richtige Gruppenreise und ich muss sagen: Es war super organisiert, hat Spaß gemacht und ich würde noch einmal mit diesem Unternehmen eine Tour machen.

Wie unterschiedlich kann Air France sein?
Schon im Januar flog ich mit Air France in die Dominikanische Republik und hatte eine wunderbare Erfahrung, freute mich deswegen auch darauf wieder mit dieser Fluggesellschaft fliegen zu dürfen.
Morgens ging es los von Frankfurt nach Paris Charles de Gaulle. Der Flieger ein A318 war sehr voll, aber das Personal war gewohnt freundlich, es gab etwas zu trinken und ein paar Kekse – völlig ausreichend für einen Flug von einer Stunde.
Dann begann mein Abendteuer. Trotz, dass ich schon unzählige Male geflogen bin in meinem Leben musste ich noch nie den Flughafen wechseln.
Also Gepäck geholt und raus zum Shuttlebus zum Flughafen Paris Orly.
Das Ticket für diesen hatte ich schon in Frankfurt bekommen, aber ich nahm mir trotzdem Zeit, da ich insgesamt 6 Stunden Zeit hatte.
Es standen nur 5 andere Personen an und der Bus fuhr angeblich alle 20 Minuten. Nach 40 Minuten in der prallen Sonne fing ich allerdings so langsam an daran zu zweifeln.
Die Menschenschlage umfasste inzwischen ungefähr 100 Personen und noch immer kein Bus in Sicht.
Nach 50 Minuten kam endlich einer und die hinteren der Schlange wollten direkt vorrennen. Hier ein großes Lob an das Personal dort, die diese aufhielten und uns, vorne in der Schlange, als erstes einstiegen ließen.
Wieso es so lange dauerte fanden wir auch recht bald heraus. Man fuhr nicht zum anderen Flughafen, man schlich!
An einem Werktag wöllte ich nie selber durch Paris fahren. Die Fahrt von normalerweise 45-60min dauerte fast 2 Stunden.
Gott sei Dank hatte ich so viel Zeit zum umsteigen, dachte aber schon an meine Mitreisenden aus Berlin, die sehr viel weniger Zeit hatten.
In Orly hatte ich noch Zeit und gönnte mir erstmal ein Baguette bevor ich meinen Rucksack eincheckte und mich so langsam durch die Kontrolle begab.
Bald war es Zeit zum bording und niemand aus meiner Gruppe war zu sehen. Ein bischen mulmig war mir schon aber als ich mich grade dazu entschloss ins Flugzeug zu steigen sah ich die anderen kommen.
Das Flugzeug, in welchem ich mich die nächsten 11 Stunden aufhalten sollte war sehr alt. Die Bildschirme wackelten, die Sitze hatten Flecken und auch sonst sah es nicht gut aus. Meine Reiseleiterin gerklärte später, dass es normal sei, da es sich um einen „Inlandsflug“ handeln würde.
Das Essen war gewohnt gut (und typisch französisch gab es eine Flasche Rotwein und einen Schnaps dazu), das Personal sah teilweise sehr gestresst aus.
Ich kann im Flugzeug ja schlecht schlafen und so kam ich am nächsten Tag, mit nur 1,5 Stunden Schlaf, in St. Denis, der Hauptstadt La Reunions an.

Der erste Eindruck
Die Gruppe stellte sich als eine bunte Mischung heraus. 6 Frauen, 2 Männer und unsere Reiseleiterin. Eine schöne, kleine Gruppe mit ganz unterschiedlichen, aber sehr interessanten Charakteren.
Unsere Reiseleiterin musste noch kurz etwas abklären, was uns Zeit gab uns schon einmal zu „beschnuppern“ und den Blick vom Flughafen, über St. Denis bis hin zum Piton des Neiges zu bewundern. Da oben würden wir in einigen Tagen bei hoffentlich genauso schönem Wetter stehen.
Ein Bus holte uns ab um uns nach Hell Bourg, unserer ersten Station, zu fahren.
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Hell-Bourg
In Hell-Bourg angekommen bezogen wir unser kleines Hotel „Relais des Cimes“. An der „Hauptstraße“ gelegen, die Zimmer mit eigenem Bad, sonst recht simpel ausgestattet.
Unsere Reiseleiterin schlug uns vor einen Spaziergang durch den Ort zu machen wozu wir natürlich alle trotz Müdigkeit nicht nein sagen konnten.
Hell-Bourg ist ein Dorf in dem Talkessen Salazi, 930m über dem Meeresspiegel gelegen.
Bekannt wurde Hell-Bourg in den 1830er Jahren, als Europäer heiße Thermalquellen entdeckten, diese ausbauten und das Dorf zum Kurort machten.
Leider kam es 1948 zu einem Erdrutsch, ausgelöst durch einen Zyklon, welcher die Quellen verschüttete. Es wurde versucht durch Sprengungen noch einiges zu retten, jedoch wurde es dadurch nur noch viel schlimmer und das Dorf verlor den Status als Kurort.
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Dafür gehört es heute zu den Les Plus Beaux Villages de France („Die schönsten Dörfer Frankreichs“) als einziger Teil La Réunions.
Das liegt wohl nicht zuletzt an den wunderschöne kreolischen Villen von denen 26 neu restauriert wurden und die sich durch den ganzen Ort ziehen.
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Auch sehenswert ist der bunte Friedhof mit einem unglaublich schönen Ausblick über den Cirque de Salazi, sowie auf den Roche Ecrit.
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Nach einem kleinen Snack zur Mittagszeit hieß es Tourenbesprechung und packen, bevor es zum Abendessen kam, wo wir das erste Mal das traditionelle „Cari“ (Reis, Linsen/Bohnen, Fleisch/Wurst, Sauce Rougail) probieren durften.

Man muss es einmal ausprobieren – die erste Wanderung

↑940hm ↓369hm 18,47km

Da wir ein langes Trekking vor uns hatten gab es einen „Probetag“.
Wir packen unsere Rucksäcke für die nächsten 8 Tage, obwohl wir am nächsten Tag noch einmal an unser Hauptgepäck kommen sollten. Aber wir mussten schauen, dass wir unsere Kilos selber tragen können.
Nach einer Lagebesprechung liefen wir los, ein kurzes Stück durch Hell-Bourg und dann eine Steilwand hinauf.
Noch am Vortag konnte sich niemand von uns vorstellen, dass es auf diese Steilwand einen Weg gibt, aber den gab es. In Serpentinen nach oben schlängelnd bis hinauf zur Hütte auf 1500hm. Unterwegs gab es eine Seilbahn, die durch einen der Zyklone mal zerstört wurde und nie wieder aufgebaut wurde.
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Viele Jogger kamen uns entgegen oder überholten uns, die für den berühmtesten Lauf, den Grand Raid am trainieren waren.
Nach einer Pause an der Belouve Hütte durften wir unser Gepäck nicht absetzen, da es weiter ging.
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Diesmal durch den ursprünglichsten Wald der Insel. Ein wilder Höhentamarindenwald mit gut ausgebauten Waldwegen, auf denen es sehr bequem war zu laufen.
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Zwischendurch machten wir einen Abstecher zu einer der ältesten Tamarinden. Wirklich beeindruckend und weiter zum Aussichtspunkt „Le Trour de Fer“ wo uns leider erstemal Nebel überraschte.
Kurz klarte es auf für wenige Sekunden und somit liefen wir nach einer kurzen Snackpause wieder zurück zur Hütte.
Dort tranken wir erstmal unser „Ankunfst-Dodo“, das heimische Bier.
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Anscheinend noch nicht müde und zur Belustigung anderer Wanderer machten wir zuerst Dehnübungen, die schnell in Tanz, Gesang und Kraftübungen übergingen.

Die Belouve Hütte besteht aus Drei Gebäuden. Wir schliefen auf dem Dachboden, welcher aus einem Matratzenlager bestand. Dusche (mit warmen Wasser) und WCs befanden sich im gegenüberliegenden Gebäude und zum Abendessen (mhmm lecker Cari) mussten wir ca. 2min zu einem weiteren Gebäude laufen.
Schon hier bemerkten wir, dass es Gang und gebe war, dass auch noch ein Schnaps (Rum Arrangé) zum Essen getrunken wird – oder 2 oder 3.
Schon war die Überlegung da „Wie ich auf La Réunion zum Alkoholiker wurde“ als Buch zu verfassen.

↑23hm ↓579hm 4,43km

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Nach der ersten Nacht, wo sich schon herausstellte, wer schnarchte oder andere Angewohnheiten hatte, ging es nach einem ausgiebigen Frühstück zurück auf die Steilwand nach Hell-Bourg hinunter um ein letztes Mal fehlende Sachen einzukaufen oder ein paar Sachen aus dem Rucksack raus zu schmeissen, die wir doch nicht benötigten und/oder tragen mochten.
Der Bus holte uns ab um uns zu unserem Ausgangspunkt für unser Trekking, unterhalb des Roche Ecrits, abzuholen.

Aber das wird die nächste Geschichte.

Meinen allgemeinen Artikel über La Réunion findest du hier:
La Reunion – Wo bist du gewesen?

Night of the Proms 2013

Früher gab es bei uns eine Tradtion: Jedes Jahr fuhren wir nach Köln zur „Night of the Proms“. Genauer gesagt fing meine Mutter damit 1997 an, steckte uns alle an und ab 1998 fuhren wir immer in einer Gruppe von 10-20 Leuten nach Köln und schauten uns 9 Jahre hintereinander das wunderbare Konzert an.
2006 war nach 9 Jahren hintereinander also meine letzte, bevor ich dann 2007 auf Weltreisewanderschaft ging 🙂

Aber was ist „Night of the Proms“ eigentlich, für alle, die noch nie davon gehört haben. Es ist „Klassik trifft Rock“. Es gibt ein wunderbares, großes, Symphonieorchester „Il Novecento“, einen großen Chor „Fine Fleur“, eine elektric band und das ganze unter der Leitung des wunderbar, lustigen Dirigenten Robert Groslot.
Dazu gibt es jedes Jahr eine Stimme, oder ein Instrument, welches im Vordergrund steht. Zum Beispiel die Opernsängerin Nathalie Coquette oder der Geiger David Garrett oder ein Jahr war es sogar Safri Duo mit den Percussions.
Um noch eins obendrauf zu setzen werden jedes Jahr Künstler aus den 80ern, 90ern und der heutigen Zeit eingeladen um mit dem Orchester zu spielen. In den letzten Jahren habe ich u.A. live gesehen: Joe Cocker, Meat Loaf, Status Quo, Nena, Wet Wet Wet, Mannfred Man uvm.
Einer darf nie fehlen, bzw. hatte schon 1x gefehlt, gehört aber dazu: John Miles. Mr. Music (was my first love), was sich zur Hymne der Night of the Proms gemacht hat.
Wer mehr lesen will der klicke hier

Früher war es so, dass wir jedes Jahr direkt für das nächste Jahr Karten bestellt haben.
Diesmal habe ich gar nicht dran gedacht, dass ich ja grade daheim bin, bis meine Mutter meinte „Wollen wir nicht probieren noch kurzfristig Karten zu besorgen?“
Klar, da war ich natürlich dabei und so stellten meine Mum und ich etwas verrücktes an, was ich früher bei vielen Musicals gemacht habe und meistens Glück dabei hatte: Wir fuhren nach Frankfurt und warteten mal ab, was passiert.

Leider gab es dort, vor der Festhalle Frankfurt auch einige „Professionelle“… das man denen das aber auch ansieht… Die waren auf Kartenjagt um diese dann später wieder teuer zu verkaufen.
Wir schworen uns aber, wenn wir keine Katen so bekommen, dann gehen wir gar nicht!
Mit der Zeit wurden es immer mehr Leute die Karten kaufen wollten, aber niemand, der verkaufen wollte. 1-2x Einzelkarten, aber das wars. Furchtbar!
Damals in Köln standen immer so viele draußen, die Karten verkaufen wollten, hier – gar nicht.
Aber wir gaben nicht auf und nach 2,5 Stunden in der Kälte stehen fand ich 2 Pärchen von denen eine Person krank geworden war. Ihr Freund beschloß kurzerhand auch nicht mit rein zu gehen und uns seine 2 Karten zu verkaufen! Sogar etwas günstiger als der Normalpreis!
Und so kamen wir zu „1. Kategorie Sitzplatzkarten“ muhahaha 🙂

Ich war zwar schon öfters bei diversen Messen in der Frankfurter Festhalle, aber die ist ja wirklich klein und putzig 🙂
Wir saßen hinter dem Innenraum direkt gegenüber von der Bühne – ein wundervoller Platz!

Die Show war mal wieder total genial.
Das Orchester, der Chor, die elektrische Band und Robert Groslot waren einfach mal wieder genial!!!
Mein absolutes Highlight war ein „Kampf“ zwischen dem Chor und dem Orchester. WAS FÜR EIN MEISTERWERK aus verschiedenen Songs die sich beide Parteien immer „zuspielten“. Und das nicht nur ältere Songs, nein, auch „Wake me up“ von Avicii war dabei! (waaaaaahhhh soooo cooooool!)
Mein wirklich absolutes Highlight!!!

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Im Vordergrund stand diesmal das Klavier und mit ihr Hiromi – eine kleine Japanerin mit verrückter Frisur… aber WAS für ein Engeriebündel!
So schnell habe ich noch nie jemanden Klavierspielen sehen. Die Finger flogen nur so über die Tasten und ihr Gesicht brachte viele Lacher im Publikum. Wirklich herrlich!

Auch die Künstler waren super ausgewählt.
Als erstes fingen „The Baseballs“ an die Halle aufzuwärmen und sie schafften es auch, dass (fast) alle sich von ihren Sitzplätzen erhoben und mitrockten! Eine mega-Stimmung von den 3 sympatischen Männern.
Ein wirklich super Auftakt von den Künstlern wie die über die Bühne rockten.

Nach einigen klassischen Stücken und „It’s a beautiful day“ gesunden von John Miles kam dann die „Lady“ des Abends: Amy MacDonald
WAS FÜR EINE FRAU!
Super-sympatisch, humorvoll und: Live noch 1000x besser als auf CD! Sie sang ihre bekanntesten Songs und das ganze Publikum ging mit. Sei es mit einem Lichtermeer bei „Dancing in the dark“ oder einem mitgesinge bei „This is the life“
Die Frau hat einfach jeden mitgenommen!

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Nach der Pause und einigen weiteren Stücken kam dann Mark King (Level42) auf die Bühne.
Er war nun schon zum 2. Mal bei den Proms mit dabei und hat, genau wie damals, die Bühne einfach nur gerockt.
Schon bei den ersten Klängen sprangen alle Leute von ihren Sitzen auf und feierten eine riesige Party in der Frankfurter Festhalle.
Natürlich spielte er „lessons in love“ und „running the family“, aber auch weniger bekannte Lieder.

Dann kam natürlich das Highlight jeder Proms: „Music was my first love“ von John Miles!
Wie immer ein wunderbares Lichtermeer und eine MEGA Stimmung.
Auch toll war der Gefangenen Chor von Verdi, da 2013 wohl das „Verdi-Jahr“ war. Da mussten wir natürlich alle mitsingen. Aber natürlich den „deutschen Text“ der da ging: Lalalalalalalalalalalala 😉

Zum Schluss dann der Headliner für den Abend: Morten Harket von a-ha.
Der Mann ist echt klasse live. WAS FÜR EINE STIMME!!! Unbeschreiblich.
Er spielte auch bekanntere Lieder wie z.B. „The sun always shines on TV“, aber auch 2 ganz neue Stücke.
Er war echt super, aber ich persönlich fand, dass jemand, der Balladen singt, nicht ans Ende einer so „Rockigen“ Show gehört. Zumindest mich hat es ziemlich müde gemacht so gegen Ende.

Zum Abschluss noch einmal alle auf die Bühne und „Hey Jude“ von den Beatles gesungen 🙂 Wie immer ein super Abschluss.

Wer noch mehr Bilder sehen will schaue mal hier rein: Hr3-Fotogalerie

Der Abend war echt klasse und ich bin soooo froh, dass wir so spontan hin gefahren sind!
Und es hat mich daran erinnert mir Karten für Fiddler’s Green in Köln zu bestellen 🙂 Geht da zufällig noch jemand von euch hin?