Die Geschichte der Westmänner Inseln

Vor vielen Jahren fand ich mein Traumland. Das Land, welches mein Herz am meisten berührt. Der Platz auf der Erde, wo ich mich später einmal niederlassen möchte.
Ich spreche von Island.
Ein halbes Jahr durfte ich in einem kleinen Gästehaus in Hveragerđi arbeiten um mich von der ersten Sekunde in Land und Leute zu verlieben.

In diesem Sommer, im Jahre 2010, hatte ich das Glück einen großen Teil Islands in meiner Freizeit selber zu erkunden. Nur 2 Flächen blieben mir noch fremd. Das Inland Islands und die Westmänner Inseln.

Diesen Sommer war es dann so weit. Dank meiner Arbeit an Bord eines kleinen Kreuzfahrtschiffes, liefen wir Heimæy auf den Westmänner Inseln an.
Meine Kollegen sagten mir schon, dass es nur eine 50/50 Chance ist, ob wir tendern können, oder nicht. Die Insel hat keinen Hafen der groß genug für ein Kreuzfahrtschiff ist und meist herschen starke Stürme um die Insel herum.
Was soll ich sagen: Sogar 2x hatten wir das Glück mit unseren Tenderbooten in den Fischereihafen hinein fahren zu können.

Ich kann euch versichern: Die zwei Besuche haben meine Liebe zu Island nicht gemindert und wenn, dann noch verstärkt.
Vor allem die Geschichte, rund um den Vulkanausbruch von 1973 – Eldfell.

Die Einwohner waren sich natürlich auch vorher bewusst, auf einer vulkanischen Insel zu leben. Somit war es auch nichts besonderes, als in der Nacht vom 21.-22. Januar 1973 einige Erdbeben die Inseln erschüttern ließen. Diese waren sowieso meist zu schwach um von den Einwohnern überhaupt bemerkt zu werden.
Am Morgen des 22. Januar hörten die Beben auch schon wieder auf und nur am Abend, gegen 20Uhr, fingen sie wieder an. Diese Erdstöße sind nichts ungewöhnliches auf der Insel zwischen den Geothermalplatten.

Am 23. Januar 1973, mitten in der Nacht, kam es daher als große Überraschung für die Inseln, dass sich plötzlich eine Spalte auf der Ostseite der Insel öffnete. In kürzester Zeit vergrößerte sich die Spalte auf eine Länge von 2km und schoß Lavafontänen in die Höhe, welche innerhalb von 2 Tagen einen Vulkankegel von 100m Höhe aufschütteten.

Die Inseln sind vulkanisch durch und durch

Doch was passierte mit den Menschen? Die hatten großes Glück im Unglück. Auf den Westmänner Inseln leben die Einheimischen von der Fischerei und fahren fast täglich mit ihren Booten raus, um den „großen Fang“ zu machen. Am Vorabend zu dem Vulkanausbruch des Eldfell gab es jedoch ein großes Unwetter und somit befanden sich alle Boote im Hafen.
Auch der kleine Flughafen der Insel war Anfangs nicht bedroht und konnte zur Evakuierung genutzt werden.
Innerhalb von 6 Stunden wurden fast alle ca. 5300 Einwohner in Sicherheit gebracht. Ein paar Menschen blieben um zu helfen und noch ein paar Wertgegenstände aus den bedrohten Häusern zu holen.
Glaubt man dem Internet, starb nur eine einzige Person. Ich habe die Einheimischen gefragt und diese behaupten, dass niemand starb und es nur kleinere Verletzungen gab.

Die Stadt Heimaey wurde zum Teil verschüttet.

Aber eine ganz andere Katastrophe kündigte sich an. Der Wind drehte und brachte den Ascheregen über die Stadt Heimæy, zerstörte viele Häuser und andere Gebäude. Doch damit nicht genug. Der große Lavastrom floß auf den Hafen zu, der doch die Haupteinnahmequelle der Insel darstellte. Kaum zu glauben, aber wahr, 25% des isländischen Fischfangs findet von den Westmänner Inseln aus statt.
Man suchte also nach einer Möglichkeit den Lavastrom zu stoppen.
Die Lösung fand sich schließlich darin, die Lava mittels Meerwasser zu kühlen. Diese Methode wendet man auch auf Sizilien oder auf Hawaii an, jedoch in viel kleinerem Ausmaß.
Erhebliche Mengen Meerwasser wurden deshalb auf die Lava gesprüht und später wurden sogar Leitungen auf die Lava gelegt, um eine größere Fläche abkühlen zu können.
Und siehe da: Es hat funktioniert. Der Hafen verkleinerte sich zwar etwas, schloss sich aber nicht komplett. Besser noch: Durch den Lavafluss entstanden natürliche Wellenbrecher, welche den Hafen heute noch mehr vor dem offenen Meer schützen.

Die Hafeneinfahrt wurde um einiges verkleinert – die Insel dafür vergrößert

Ungefähr fünf Monate dauerte der Vulkanausbruch des Eldfell auf den Westmänner Inseln an. Erst Anfang Juli 1973 wurde die Naturkatastrophe als beendet erklärt. Nach dem Ausbruch gewann die Insel rund 20% mehr Land und schon ein Jahr später war die Mehrheit der Einwohner wieder zur Insel zurück gekehrt. 1975 waren es sogar schon 80%.

Panorama von der Stadt Heimaey und der Hafeneinfahrt vom Kraterrand des Eldfell

Wieso kehrt man nach einer solchen Naturkatastrophe auf die Insel zurück?
Meine Reiseleiterin, welche ich bei unserem ersten Anlauf übersetzen durfe und die damals alles live mitbekam, erzählte mir zu dieser Frage eine kleine Geschichte.
Sie ist im Roten Kreuz tätig und häufig auf der Welt in Krisengebieten unterwegs. Oft fragt sie sich dabei, was die Menschen bewegt in solchen Krisengebieten mit vielen Naturkatastrophen zu leben und auch immer wieder dahin zurück zu kehren – bis ihr bewußt wurde, dass sie es ja auch so getan hat. Sie war eine der ersten, die nach der Katastrophe zurück kamen. Was die Menschen bewegt konnte sie auch nicht sagen, aber sie schätzt, dass es einfach daran liegt, dass die Westmänner Inseln ihr „Zu Hause“ sind und immer waren.

Die Fotos sind bei meiner Wanderung auf den Eldfell entstanden. Ein absolutes Muss, solltet ihr einmal auf der Insel sein.

Auf jeden Fall solltet ihr auf den erloschenen Vulkankrater hinaufsteigen!

Interessiert ihr euch auch so sehr für Vulkane? Welches ist eure liebste Vulkaninsel?

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