Wie ich lernte Israel zu lieben

Im Alter von 13 Jahren war ich das erste Mal in Israel. Während meiner allerersten Kreuzfahrt.
Das sollte schon Ironie genug für den folgenden Beitrag sein.

Meine Erinnerungen an damals waren alles andere als positiv und ich war, glaub ich, immer die einzige Person an Bord der Schiffe, die froh war, wenn Israel vom Routing gestrichen wurde.

Aber von vorne…

Vor vielen Jahren in Israel war ich mit meinen Eltern auf einem Ausflug nach Jerusalem und Bethlehem.
Der Standart-Ausflug für jeden, der das erste Mal im heiligen Land unterwegs ist.

Meine Erinnerungen an damals waren ziemlich negativ, da ich es einfach nicht mag die ganze Zeit beträngt zu werden etwas zu kaufen oder jemandem Geld zu geben. Direkt vor Israel waren wir damals Ägypten angelaufen und ich empfand die Israelis noch aufdringlicher als die Ägypter.
Noch dazu fand ich es etwas übertrieben, dass immer gesagt wurde „Genau an dieser Stelle hat Jesus sein Kreuz verloren…“ „…Genau an dieser Stelle stand XY und hat gebetet“.
Für ein 13-jähriges Kind war es einfach langweilig und nervig.

Fast 20 Jahre lang waren das meine Erinnerungen an Israel.

Vor einigen Wochen, während meines letzten Vertrags, war es dann soweit. 3 Tage legte unser Schiff in Haifa an.
Da wir uns aussuchten durften, welchen Ausflug wir begleiten, war für mich klar, dass ich nicht nach Jerusalem wollte, sondern ans Tote Meer.
Es stand sowieso auf meiner Bucket-Liste dort mal zu schwimmen – oder mehr, mich treiben zu lassen.

Gepart war der Ausflug mit der langen Anfahrt mit Masada.
Bis zu diesem Zeitpunkt wußte ich von Masada nicht mehr, als dass es eine Ausgrabungsstätte auf einem Berg war.

Und genau dieser Ausflug sollte mich Israel lieben lernen.

Mit der Seilbahn hoch hinauf. Im Hintergrund das tote Meer.

Die Anfahrt nach Masada war für mich schon ein Highlight, starteten wir doch im grünen Tal und fuhren in immer kargere Landschaft.
Nach 3 Stunden kam Masada in Sicht und ich war von der ersten Sekunde an begeistert. Ein freistehender Tafelberg. Auf der einen Seite Gebirge, auf der anderen Seite das Tote Meer. Es wirkte fast unwirklich.
Mit der Seilbahn ging es hinauf zu den sehr gut erhaltenen Überresten der Festungsanlage, die mehr wie eine Stadt wirkte. Kaum zu glauben, dass Masada so lange in Vergessenheit geraten war und erst im 19. Jahrhundert wieder entdeckt wurde.

Von oben konnte ich noch besser verstehen, wieso die Anlage unter König Herodes I. als uneinnehmbar galt. Auf allen Seiten fallen die Wände des Tafelbergs steil ab und es besteht keine Chance schnell hinauf zu gelangen. Von oben konnte ich das Tote Meer überblicken und hatte eine super Aussicht auf die Berge auf der anderen Seite.

Masada umrundet von Bergen

Was mich jedoch am meisten schaudern ließ? Ich stand auf einem ca. 500m hohen Tafelberg – Und befand mich damit so gerade auf Meereshöhe. Ist das nicht ein verrückter Gedanke?

Stundenlang hätte ich mir diese fantastische israelische Landschaft weiter anschauen können – wäre da nicht noch unser zweiter Programmpunkt gewesen.

Immerhin galt es, einen Punkt auf meiner Bucket Liste abzuhaken.
Wir fuhren hinunter zum tiefsten Punkt der Erde, welcher nicht von Eis bedeckt ist. (Anmerkung: Der tiefste Meeresgrund der Erde liegt im Baikalsee) Da war es also, das tote Meer mit seinem Salzgehalt von 33%, ca. 400m unterhalb des Meeresspiegels gelegen. Diesem Meeresspiegel, auf dem unser Schiff im Hafen von Haifa lag.
In dem Moment ist es kaum zu glauben, dass dem wirklich so ist.

Nach einem Mittagessen hieß es: Hinein in die Fluten.
Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Das Wasser fühlte sich sehr schwer an, während ich hinein wartete. Kaum hob ich meine Füße vom Grund, trieb ich schon an der Wasseroberfläche.
Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen ein paar Gäste zu fragen ob sie ein paar Fotos von mir machen könnten.

Normal kann ja jeder…

Ein Erlebnis, welches auf jeder Bucket Liste stehen sollte.

Spästestens nach diesem Ausflug bin ich ein absoluter Israel-Fan geworden und freue mich schon in nicht allzu ferner Zukunft wieder im Hafen von Haifa sein zu dürfen.
Die Menschen waren unglaublich nett, kein bischen aufdringlich und sehr zuvorkommend.

Am nächsten Tag erkundete ich mit ein paar Kollegen die Stadt Haifa. Gerade die Deutsche Kolonie mit ihren Gärten ist sehr empfehlenswert. Vor allem die vielen kleinen Restaurants drum herum.

Die Gärten von Haifa

So schnell kann sich also die Meinung über ein Land ändern. Solltet ihr also einmal ein Land bereist haben, welches ihr nicht leiden konntet: Fahrt 20 Jahre später wieder hin – vielleicht verliebt ihr euch dieses Mal.

Erging es euch schon einmal so mit einem Land?

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