Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff: Frieden der Nationen

Willkommen zum nächsten Teil meiner Reihe „Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff“.
Schon vor kurzem habe ich in einem ausführlichen Bericht beschrieben, wie ich die momentane Situation der Welt sehe.
Aber wie sieht das eigentlich auf einem Kreuzfahrtschiff aus, auf dem viele Nationen zusammen leben und arbeiten?

Auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten bis zu 40 unterschiedliche Nationen.
Der Großteil der Besatzung kommt aus asiatischen Ländern wie den Philipinen oder Indonesien.
Bei Deutschen Agenturen kommt direkt danach schon Deutschland und die Türkei. Aber das ist bei jeder Reederei anders.

7 Tage die Woche, 4-9 Monate am Stück arbeiten und leben all diese Nationen zusammen auf engstem Raum.
Gerechtfertigt ist da die Frage von vielen Gästen „Geht das überhaupt gut mit so vielen Glaubensrichtungen, Weltanschauungen und Meinungen?“
Ja, es geht erstaunlich gut!

„Wäre die Welt ein Kreuzfahrtschiff – sie wäre eine bessere Welt“

Bei bis zu 1200 Crewmitgliedern kann nicht jeder jeden gleichgut leiden – das ist klar. Aber das hat nichts mit der Nationalität zu tun.

Darf denn jeder seine Religion und Nationalität voll ausleben an Bord?

Das Essen in der Crewmess ist meistens asiatisch ausgelegt. Es gibt viel Reis. Aber auch für Europäer ist viel dabei. Niemand verhungert an Bord und für jede Nation findet sich etwas zum satt werden.

Im Ramadan werden sogar extra Essenzeiten für die muslimische Crew eingerichtet bei manchen Reedereien. Eine extra „Nacht-Mahlzeit“ sozusagen.

Wir sehen alle den gleichen Sonnenuntergang

Wir sehen alle den gleichen Sonnenuntergang

Nationalfeiertage werden von einigen Nationen an Bord auch groß gefeiert. Vor allem der philipinische, der indische und der indonesische Nationalfeiertag werden meistens mit einem extra großen Essen und einer geschmückten Kantine ausgiebig gefeiert.

Der deutsche Nationalfeiertag fällt da eher klein aus. Auch auf der deutschen Reederei, für die ich gearbeitet habe. Dort gab es lediglich etwas Dekoration in der Crewbar. Aber sind wir noch mal ehrlich: So richtig feiern wir den sowieso nicht in Deutschland.

Es ist kein Geheimnis: Natürlich bilden sich auch immer Grüppchen, zumindest was die gleichen Sprachen angeht. Aber einige der schönsten Schiffsmomente, die mir in Erinnerung sind, haben etwas mit gemischten Nationen zu tun.

Während vieler Abenden in der Crewbar habe ich einiges erlebt. Zum Beispiel wenn sämtliche Nationen zusammen feiern und lauthals „99 Luftballons“ mitsingen.
Oder wenn man sich auf einmal in einer Gruppe Griechen Sirtaki tanzend wiederfindet.
Latindance Abende bei denen jeder sehen konnte wie grandios begabt (vor allem) Südamerikaner Ihre Hüften schwingen können.
Jedesmal ein kulturelles Erlebnis.

Ein ganz besonderer, interkultureller Abend, wird mir auch immer in Erinnerung bleiben.
Wir schreiben EM 2016. Eine Kollegin aus Österreich und ich haben aber keine Lust vor dem TV zu hocken und beschließen in einer der Bars eine Runde Jenga zu spielen.
Sie ging schon einmal vor.
Als ich dazu stoß, saß sie mit zwei jungen Männern aus Nicaragua zusammen. Wir machten uns kurz alle bekannt, da wir uns alle bis jetzt nur vom Sehen her kannten und fingen an zu spielen.
Kurze Zeit später wurde die Bar voller und es gesellten sich noch weitere Nationen zu uns. Ich weiß schon gar nicht mehr wer, aber wir saßen zu 5-6 verschiedenen Nationen zusammen und spielten Jenga.
Dabei hatten wir einen solchen Spaß, dass nach einiger Zeit niemand mehr auf den Fehrnseher starrte. Stattdessen hatte sich ein Pulk von Menschen um uns herum gebildet, die uns beim spielen zusahen und zujubelten.
Ein grandioser Abend, den ich niemals vergessen werde.

Manchmal unterhält man sich auch mit Crewmitgliedern von anderen Schiffen. Wie hier in Geiranger ist man niemals allein.

Manchmal unterhält man sich auch mit Crewmitgliedern von anderen Schiffen. Wie hier in Geiranger ist man niemals allein.

Wie ihr seht: Die Welt hält zusammen auf Kreuzfahrtschiffen. Für mich ist es eins der schönsten Dinge bei der Arbeit auf hoher See – andere Kulturen kennen lernen.

Schade, dass es nicht überall auf der Welt so sein kann.

Hast du noch Fragen zum Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff? Welches Thema sollte ich nochmal aufgreifen?

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7 Gedanken zu “Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff: Frieden der Nationen

  1. Andrea schreibt:

    Das muss toll sein mit diesem Mix der Kulturen. Spannend, was du schreibst, habe ich gerne gelesen.Aber arbeiten auf dem Kreuzfahrtschiff stelle ich mir auch sehr stressig vor, oder?

  2. Lisa schreibt:

    Hallo 🙂 Darf ich fragen auf welchem Kreuzfahrtschiff du arbeitest? Ich fange in 2 Wochen auch auf einem Schiff einer deutschen Rederei an und bin schon sehr gespannt 🙂 Welche Position hast du auf dem Schiff?
    LG Lisa

    • World Whisperer schreibt:

      Ich habe erst bei TUI gearbeitet, dann bei Holland America Line und jetzt bei Oceania.

      Wenn du Fragen hast melde dich bitte via Email da es uns verboten ist offiziell über Sachen zu schreiben.

      Danke 🙂

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