Reisen und damit Geld verdienen – Teil 4 – WWOOF

Lange habe ich überlegt ob ich einen Bericht über WWOOF in meine Reihe „Reisen und damit Geld verdienen“ aufnehmen soll. Denn eigentlich verdient ihr hier kein Geld. Dafür bekommt ihr etwas viel wertvolleres: Menschen, Natur und Kultur.

WWOOF – das heißt übersetzt WorldWide Opportunities on Organic Farms.
Die beste Möglichkeit um mit Einheimischen in Kontakt zu kommen und von ihnen zu lernen.
Pro Tag sind normalerweise 4-6 Stunden Arbeit fällig. Dafür bekommt ihr freie Kost & Logis. Ein fairer Austausch und eine unbezahlbare Erfahrung.

In über 50 Ländern weltweit könnt ihr so ganz entspannt arbeiten, die Natur und die Kultur verstehen.

Aber wie funktioniert die ganze Organisation eigentlich:
Verschiedene Farmen melden sich bei WWOOF an und werden geprüft.
Ihr meldet euch im jeweiligen Land ebenfalls bei WWOOF an und müsst im Normalfall eine kleine Jahresgebühr zahlen. In manchen Ländern bekommt ihr dann eine Liste online von verfügbaren Farmen in anderen bekommt ihr auch heute noch ein Buch zugeschickt.

Jetzt liegt es an euch? In welcher Region des Landes wollt ihr arbeiten? Und vor allem: Als was?

Die verschiedensten Farmen stehen zur Auswahl. Gartenarbeit ist zu 90 % immer ein Bestandteil, dann aber werdet ihr eine Auswahl finden an Pferdefarmen, Schaffarmen, Farmen mit und ohne Tiere, reine Gartenarbeit, Aufbauarbeit und vieles mehr.
In den meisten Anzeigen wird auch aufgeführt wie ihr untergebracht werdet. Ein Zimmer im Wohnhaus, ein Zelt oder ein Wohnwagen. Es kann wirklich alles sein, also seid euch vorher im Klaren was genau ihr wollt.
Eine Regel besagt auch, dass, wenn es euch doch nicht so passt auf der Farm, ihr jegliches Recht habt wieder zu gehen. Ebenso kann euch der Farmer aber auch rausschmeißen, wenn ihr ihm nicht in den Kram passt.
Normalerweise braucht ihr kein Work & Holiday Visum für diese Art der Arbeit. Aber es gibt Ausnahmen wie zum Beispiel in Neuseeland. Also befasst euch vorher gut mit den Bestimmungen euren jeweiligen Reiselandes.

Natürlich bin ich auch WWOOfen gewesen.
In meiner Zeit als Backpacker lag Australien so schön auf dem Weg nach Neuseeland und somit blieb ich 3 Monate mit einem Touristen-Visum dort.
In dieser Zeit machte ich 3 gänzlich unterschiedliche WWOOFing Erfahrungen. Die möchte ich hier für euch kurz vorstellen damit ihr eine Vorstellung bekommt wie unterschiedlich es sein kann.

1. Pferdefarm auf Tasmanien

Horsehaven Tasmanien

Horsehaven Tasmanien

Ich hielt es damals für einen guten Plan, direkt mit WWOOFing einzusteigen.
Mit Conny hatte ich schon Wochen vorher Email-Kontakt und freute mich auf diese Erfahrung.
Conny entpuppte sich als Deutsche und nach den ersten paar Tagen verstanden wir uns sehr gut und unternahmen viel zusammen.
Meine Unterkunft war dort in einem Zimmer im Farmhaus mit richtigem Bett ganz für mich alleine.
Meine Aufgaben reichten von Tiere füttern (Pferde, Ziegen, Hühner, Hunde), über Ausritte bis hin zur Gartenarbeit. Hier wurde alles selber im Garten angebaut und wenn Conny kochte, schmeckte es immer fantastisch.
Die Arbeitszeit war weit mehr als 6 Stunden, durch das Arbeitsklima war das für mich aber vollkommen okay.
Es stellte sich als tatsächlich sehr gut raus zu Anfang dort zu arbeiten, denn ich lernte zum Beispiel so direkt schon einmal wie es sich anfühlt im Linksverkehr zu fahren.
Drei Geschichten sind mir besonders im Gedächtnis geblieben.
Ich war bei Connys Nachbarn zum essen eingeladen und sagte natürlich zu. Erst danach berichtete sie mir, dass diese nette Familie Zeugen Jehovas seien und ich mich darauf einstellen könnte eine Moralpredigt über den richtigen Glauben zu hören.
Letztendlich war das Essen war sehr lecker, die Stimmung war locker und lustig und es kam immer nur kurz das Thema Religion auf, was ich immer sofort versuchte zu wechseln.
Ein anderes Mal fuhr ich mit Conny nach Hobart. Wir parkten vor einem Café und als ich grade aussteigen wollte, drehte ich mich nach links und direkt neben mir saß eine riesige Huntsmanspider. So schnell bin ich noch nie aus einem Auto gesprungen – auch wenn sich die Spinne bestimmt ebenso sehr erschrocken hat.
Conny erklärte mir, dass ich keine Angst haben bräuchte, denn die Spinne hätte sich ja jetzt versteckt. Versteckt! Genau! Das war mein Problem. Sie war noch im Auto. Also suchte sie vor dem erneuten Einsteigen alles ab. Sie fand: Nichts!
Somit stieg ich ein. Keine 3 Sekunden nachdem ich saß krabbelte das riesige Tier direkt vor mir übers Armaturenbrett. Conny fing sie ein und ließ sie auf der Straße frei mit den Worten „Ach, das war ja nur ein Baby“. Genau! Deswegen hab ich es auch noch immer sehen können als es auf der anderen Straßenseite war.
Ebenfalls in Erinnerung geblieben ist meine unfreiwillige Erfahrung als Stuntfrau.
Wir waren auf einem Ausritt zu dritt und mein Pferd bockte schon seit Anfang an. Grade hatte ich den Hengst ruhig bekommen als das Handpferd einer Freundin von Conny ab machte, an mir vorbei schnellte und Cruiser (auf dem ich saß) hinterher. Ich konnte gar nichts mehr machen. Das letzte was ich sah war ein Baum, welcher sich direkt auf Augenhöhe mit mir befand. Dann lag ich auf dem Boden und die Äste des Baumes um mich herum. Zu Recht hatte ich danach den Spitznamen „Stuntwoman“ intus, denn mir ging es bis auf eine kleine Schramme und einen schönen blauen Fleck gut.

2. Reptilienfarm in der Nähe von Adelaide

Adelaide Wilderness Lodge

Adelaide Wilderness Lodge

Ich mag die meisten Reptilien. Somit war die Farm für mich ein Muss. Außerdem klangen die Besitzer so nett. Sie würden uns die Umgebung zeigen und legten viel Wert auf kulturellen Austausch.
Hier war ich nicht alleine. Eine Norwegerin, eine andere Deutsche und eine Japanerin waren meine Mitbewohner in unserem kleinen 4-Bett-Zimmer.
Wir Mädels verstanden uns super, aber unsere „Chefs“ waren sehr komisch. Sie hatten nie Zeit für uns. Zum Essen gab es jedes Mal das gleiche, wir unternahmen nie etwas und konnten uns auch nie mit ihnen unterhalten.
Dafür gab es zwei Angestellte, Damien und Sam, die sich super um uns kümmerten und mit denen wir viel Spaß hatten.
Aber was beinhaltete eigentlich unsere Arbeit:
Allem voran Gartenarbeit. Angeschlossen an die Farm gab es ein Ferienlager mit riesiger Gartenanlage. Somit entfernten wir Unkraut und Blätter und ließen alles schön aussehen. Das ganze meist 8 Stunden am Tag oder länger.
Ab und zu gab es Tage die jedoch auch sehr interessant waren. Die Farm ist eine Aufzuchtstation für verwundete Schlangen, die dann auch mit zu Schulprojekten genommen werden. Wir durften dabei sein, wenn diese gefüttert oder verarztet wurden. Wenn Sonja, die Besitzerin, einen guten Tag hatte, durften wir eine Schlange auch mal halten.
Ansonsten bestand die Tierarbeit aus Terrarien putzen und Mäuse füttern.
Wirklich keine gute WWOOfing Erfahrung. Dafür habe ich aber ein paar sehr nette andere Backpacker kennen gelernt mit denen ich im Anschluss noch ein paar Tage zusammen gereist bin.
Wie die Regeln besagen hätte ich hier auch gar nicht bleiben müssen, aber mit den anderen Mädels, sowie Sam und Damien war es außerhalb der Arbeit ganz lustig.

3. Über Weihnachten nach Kangaroo Valley

Wesley-Smith Kangaroo Valley

Wesley-Smith Kangaroo Valley

Über Silvester hatte ich mir schon ein halbes Jahr im Voraus ein Hostel in Sydney eingebucht, wusste zu dem Zeitpunkt jedoch noch nicht, dass ich auch Weihnachten schon in der Gegend sein würde.
Also schrieb ich verschiedene Farmen in der Umgebung an.
Die Antworten kamen schnell und wie erwartet „Sorry, but you know it’s Christmas.“
Als ich die Hoffnung schon fast verloren hatte flatterte eine Email ins Haus „We would like to welcome you here. But there will be my brothers snoring Ex-wife in a room with you. Is that okay for you?
Da konnte ich nicht nein sagen.
Was soll ich sagen? Es war das beste WWOOFen von allen und das schönste Weihnachten seit vielen Jahren.
Die beiden Brüder kümmerten sich rührend um mich. Außer ihnen wohnte ihre 91-jährige Großmutter noch mit im Haus.
Die Arbeit beschränkte sich auf 3 Stunden Gartenarbeit und das Füttern der Tiere (Alpaca, Pferde, Esel und Hund). Der Rest war Freizeit.
Über die Feiertage kam die ganze Familie. Das Haus war zum zerbersten voll. Alle schliefen draußen in Zelten. Auch die schnarchende Ex-Frau.
Ich hatte mein eigenes Zimmer, welches ich mir nur mit dem schnarchenden Hund teilte.
Wir aßen, wir tranken (Sekt zum Frühstück), es gab einen geschmückten Laub-Weihnachtsbaum und ich bekam sogar kleine Geschenke.
So hätte ich es mir nicht träumen lassen mein Weihnachten zu verbringen.

Ihr seht. Es gibt die unterschiedlichsten Erfahrungen. Ihr müsst euch einfach darauf einlassen, dann wird alles gut.

Habt ihr schon WWOOFing Erfahrungen sammeln können? Vielleicht sogar in „exotischeren“ Ländern? Her mit euren Geschichten. Ich bin gespannt.

Die anderen Artikel über „Reisen und damit Geld verdienen“ findet ihr übrigens hier:
Teil 1 -> Wie bekomme ich die Jobs
Teil 2 -> Wie mich die Jobs verändert haben
Teil 3 -> Blogger berichten von ihren Erfahrungen

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6 Gedanken zu “Reisen und damit Geld verdienen – Teil 4 – WWOOF

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